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Direktkredite für unseren Kauf gesucht!!

Wie zumindest Einige von Euch vielleicht schon mitbekommen haben, planen wir – die Reiche63a in Kreuzberg – den Selbstkauf.
Hintergrund ist, dass die Verträge zwischen Eigentümer_innen, Bezirksamt und uns, die seit 1990 unsere Existenz gewährleisten, 2020 auslaufen werden und wir uns nun um die Sicherung unseres Projektes darüber hinaus bemühen.
Genaugenommen wollen wir uns auch nicht direkt allein selber kaufen, sondern als Teil der Selbstverwalteten Ostberliner GenossInnenschaft (www.http://sogeg.de/). Es geht also nicht darum Gruppenprivateigentum zu erwerben, sondern kollektiv politisch wichtige Strukturen, (wie „bezahlbaren“ Wohnraum für kollektive Lebensentwürfe, Solizimmer für Opfer rasistischer Staatsstrukturen, öffentlich nutzbare Räume für Veranstaltungen und Gruppentreffen, die Freie Bibliothek „Tempest“, …) zu erhalten.

Allein durch einen Bankkredit ist eine Finanzierung für Projekte mit sozialer Zielsetzung nicht möglich, da hohe Zinsen für Kredite hohe Mieten bedeuten. Um eine solide Finanzierung zu ermöglichen, wurde ein alternatives Modell entwickelt, das auf zwei Säulen basiert. Lediglich ein Teil des Geldes kommt von Banken. Der andere Teil speist sich aus Genoss_innenschaftsanteilen, Geld der SOG und Direktkrediten, die wir von Verwandten, Freund_innen und Bekannten einwerben.
Genau, hier kommt ihr ins Spiel!
Direktkredit bedeutet, dass Menschen wie ihr dem Projekt einen Geldbetrag ab einer Höhe von 1000,- € leiht. Je nach Wunsch
erhaltet ihr dafür auch Zinsen, bei einer Laufzeit ab 5 Jahre bis zu 2%. Es gibt auch die Option der flexiblem Laufzeit bei der ihr mit einer 6monatigen Kündigungsfrist jederzeit euer Geld zurückfordern könnt.
Mit der Ausgabe des Kredits wird ein rechtsverbindlicher Vertrag mit klaren Rückzahlungsvereinbarungen abgeschlossen. Die monatlichen Mieteinnahmen sind die Basis für die Rückzahlung der Direktkredite, eine zusätzliche Absicherung stellen die weiteren Häuser in der Genoss_innenschaft dar.

Unser Hausprojekt bietet also eine sozial und politisch sinnvolle Möglichkeit zur Geldanlage.

Bei Fragen: immer her damit: reichenberger63a(at)systemli.org hier kriegt ihr alle Antworten und die nötigen Formulare..

Wer wir sind und was uns foppt – kurz und knapp

Die Reiche 63a ist ein linkes Hausprojekt in Kreuzberg, das seit 20 Jahren in seiner jetzigen Form existiert und, wie viele andere Projekte, akut in seiner Existenz bedroht wird.
Hier wohnen nicht nur etwa 25 Menschen, wir stellen auch Räume bereit, die von anderen Menschen und Gruppen für Info-Veranstaltungen, Gruppentreffen und kulturelle Veranstaltungen, wie Kino, Partys, Konzerte,… genutzt werden.
Auch wenn unser Haus natürlich unser Haus ist (und bleibt, sollen die doch selber umziehen!), gehört es juristisch der Firma Heymann und Kreuels. Von dieser hat es im Rahmen der Legalisierung 1990 das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (BA) gemietet und dann an uns weiter vermietet. Der Vertrag sieht keine Kündigung durch das BA vor. Nun versucht der Bezirk jedoch durch eine Feststellungsklage aus dem Vertrag rauszukommen, um damit den Weg zu einer Räumungsklage zu bereiten.
Genauerer Hintergrund ist, dass das BA verpeilt hat, den Vertrag zu kündigen, als er abgelaufen war, wodurch er sich automatisch um 10 Jahre verlängert hat. Das passt denen nicht und darum wollen sie die automatische Verlängerung gerichtlich rückgängig machen. Und weil sie sich, was das betrifft, nicht ganz so gute Chancen ausrechnen, klagen sie gleich noch gegen die Gültigkeit des Vertrages als Ganzes und gegen die einzelner Teile. Ihr Ziel ist es uns mit verdoppelter Miete an die juristischen EigentümerInnen zu übertragen. Da dies das Ende unseres Hausprojekts bedeuten würde, lehnen wir eine solche Mieterhöhung natürlich ab! Damit wären wir dann bei der Räumungsklage.
Der Umgang mit der Reiche 63a ist kein Einzelfall. Er ist ein Beispiel für die generelle Umstrukturierung der Stadt. Durch Großprojekte wie Media Spree oder „Aufwertungen“ von Wohngegenden, müssen immer mehr Menschen mit geringem Einkommen aus Friedrichshain und Kreuzberg wegziehen. Sie werden aus den Innenstadtgebieten verdrängt, weil sie die geforderten Mieten nicht mehr bezahlen können.
Wir lassen uns unsere Projekte, die wir Jahre lang aufgebaut haben, nicht kaputt machen!!!
Holt euch aktuelle Infos auf reiche63a.blogsport.de
Wir solidarisieren uns mit der Liebig 14 und allen anderen bedrohten Projekten!
Wir bleiben alle!

Kampf der Umstrukturierung – Her mit der Reiche 63a!

Das war vor 20 Jahren die Parole der Hausbesetzer_innen, die den kollektiven Freiraum in der Reichenberger Straße 63a erkämpften.
Seit 1977 ist die Immobilienfirma Heymann und Kreuels ( H&K) Eigentümerin des Hauskomplexes, dessen Abriss durch mehrere Besetzungen verhindert wurde. Aus dem Hinterhaus, einer ehemaligen Fabrik, wurde ein Wohnhaus, auch Vorderhaus und Seitenflügel wurden saniert.
Nach einer erneuten Besetzung wurde 1990 ein Mietvertrag für das Hinterhaus abgeschlossen, mit dem Bezirksamt als Träger.
Seit Abschluss dieses Vertrages hat H&K die Mietforderung an das BA drastisch erhöht. Statt mit der Eigentümerin neu zu verhandeln, will nun das BA den Vertrag mit den Bewohner_innen des Hinterhauses aus Kostengründen kündigen, wenn diese nicht deren neuen Vertragsbedingungen zustimmen. In den jetzigen Verhandlungen will das BA den Bewohner_innen einen angeblich kostendeckenden Vertrag aufdrücken. Dieser sieht eine Erhöhung der Kaltmiete um 100% vor, was die Bewohner_innen nicht bezahlen können, und /oder nicht bezahlen wollen.

Gentrifizierung ist das Stichwort welches uns durch den Kopf geht, wenn wir an hohe Mieten und Verdrängung aus dem „Kiez“ denken. Wohnraum, ein grundlegendes Element menschlichen Lebens, wird im Kapitalismus zur Ware. Unter dem Namen Standortpolitik wird sich dafür eingesetzt, den lokalen Standort, in unserem Fall Berlin, aber auch Bezirke untereinander, in einem lokalen, nationalen und auch globalen Wettbewerb attraktiv zu machen.
In diesem Rahmen wird die „Befriedung“ des öffentlichen Raums zur Grundlage sicherer Investitionen gemacht, womit die Umstrukturierung ihren Lauf nehmen kann. Ergebnis dessen ist der Zerfall von bisher bestehenden sozialen Netzen durch den Austausch der Bewohner_innen wegen nicht mehr bezahlbarer Mieten.
Solange unser gesellschaftliches System weiterhin nach kapitalistischen Mechanismen funktioniert, wird sich an dieser Entwicklung nichts Grundsätzliches ändern. Deshalb treten wir für die Abschaffung des Kapitalismus als Prinzip gesellschaftlicher Organisierung ein,das seine zerstörende Logik den Interessen Einzelner aufzwingt. Somit sehen wir einzelne Investor_innen oder Politiker_innen nicht als „Drahtzieher_innen“ oder grundsätzlich Verantwortliche für den Prozess der Gentrifizierung, solange der Kapitalismus unser Leben in allen Bereichen durchdringt.
Wir sehen es als notwendigen Widerspruch, einerseits für die Abschaffung dieses Systems radikal einzutreten und andererseits im Rahmen des Möglichen unsere Interessen nach solidarischen, kollektiven Lebensweisen zu vertreten, also unser Haus in seiner jetzigen Struktur zu erhalten.
Wir sind also ebenso gezwungen, diejenigen in die Verantwortung zu nehmen, die konkrete Entscheidungen über unser Haus treffen und dessen jetzige Struktur bedrohen.
Wir stellen unser Interesse am Erhalt unserer jetzigen Wohnform den Interessen von H&K nach mehr Einnahmen und des BA nach so genannter „Kostendeckung“ gegenüber. Wir fordern vom BA, mit H&K neue Verhandlungen aufzunehmen, um die Mieterhöhung abzuwenden! Dies ist natürlich nur als „kleineres Übel“ zu sehen, da wir am Liebsten überhaupt keine Mieten zahlen würden und es schon gar kein Privateigentum mehr geben sollte.


Kollektives und solidarisches Leben darf kein Luxus sein!

Im Gegensatz zum herkömmlichen, vereinzelten Wohnen, wird das Zusammenleben in der Reiche kollektiv und solidarisch organisiert. Konkret bedeutet das unter anderem, dass gemeinsam für die Miete aufgekommen wird. Dies gibt auch Menschen die Möglichkeit, in dem Projekt zu wohnen, die aus unterschiedlichen Gründen auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben und von den Ämtern keine Unterstützung erwarten können oder wollen. In unserem Haus leben Menschen mehrerer Generationen mit verschiedensten Erfahrungshintergründen und gestalten gemeinsam ihren Alltag.

Unsere WG besteht aus mehr als 20 Leuten, die eine gemeinsamen Küche, Wohnzimmer und andere Gemeinschaftsräume teilen. Häuser, die diese Möglichkeit bieten, gibt es nicht viele.
Dadurch, dass sich mit Vielen um das Haus gekümmert wird, können auch Räume bereitgestellt werden, die andere Menschen nutzen können. Hier werden im Rahmen von Gruppentreffen oder Info-Veranstaltungen soziale, politische und kulturelle Ideen entwickelt und diskutiert. Des Weiteren finden viele nicht-kommerzielle kulturelle Veranstaltungen statt, wie Kino, Partys, Konzerte….

Das individualisierte Leben in einer kapitalistischen, rassistischen, antisemitischen und hetero-sexistischen Gesellschaft kann durch das Leben im Hausprojekt zwar nicht abgeschafft werden, aber es kann versucht werden, Alternativen aufzuzeigen und für Einige in einem begrenzten Rahmen lebbar zu machen.


Gemeinsam sind wir stärker

Die Entwicklung in der Reiche 63a ist kein Einzelfall. Sie ist nur ein Beispiel für die Umstrukturierung der Stadt und des Bezirks. Durch Großprojekte wie Media Spree oder „Aufwertungen“ von Wohngegenden kommt es zu einer drastischen Verschärfung des Grundkonflikts zwischen Mieter_innen und ihren Bedürfnis nach gutem Wohnraum einerseits und Hausbesitzer_innen und Standortpolitik anderseits.

Immer mehr Menschen mit geringem Einkommen müssen aus Kreuzberg wegziehen, bzw. werden aus den Innenstadtgebieten verdrängt, weil sie die geforderten Mieten nicht mehr bezahlen können.
Immer mehr Häuser und Projekte, die vor Jahren bzw. Jahrzehnten durch Besetzungen erkämpft wurden, sind gefährdet.
Da die Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum wieder drastischer beschränkt wird, ist es umso wichtiger, sich breit zu vernetzen und dieser Entwicklung gemeinsam etwas entgegen zusetzen.

Selbstorganisierte Mieter_innenversammlungen, gemeinsame Forderungen wie z.B. Mietminderungen und Mietboykott können eine gemeinsame Handlungsbasis darstellen, die auch über den Szenerand hinaus Austausch und Diskussion ermöglichen.

Wir zahlen nicht mehr, koste es, was es wolle!
100% mehr Miete- 150% Widerstand