Archiv für Dezember 2009

Für einen Druckraum in der Reichenberger Straße 131

Vor einiger Zeit musste der Druckraum in der Dresdener Straße schließen, weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten User_innen illegalisierter Drogen diese dort unter medizinischer Betreuung konsumieren. Eine solche Einrichtung mindert das Gesundheitsrisiko für User_innen und andere durch die Ausgabe und Entsorgung von Spritzbesteck. Das ausgebildete Personal kann im Falle von Überdosierungen oder plötzlich auftretenden Nebenwirkungen lebens­rettend tätig werden. Außerdem wird in Druckräumen zu möglichen Entziehungs- und Therapieangeboten beraten. Erfahrungen mit entsprechenden Projekten haben gezeigt, dass Nutzer_innen solcher Einrichtungen bestehende Angebote eher annehmen.

Seit der Schließung gab es zahlreiche Versuche, in der direkten Umgebung des Kottbusser Tors einen neuen Raum anzumieten. Dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand der Privateigentümer_innen. Nun besteht die Möglichkeit, dieses Projekt in einem leerstehenden Gebäude anzusiedeln, das dem Land gehört: der Reichen­berger Straße 131.
Dagegen richtet sich eine eigens gegründete Bürger_inneninitiative, die sich aus Gewerbetreibenden und Anwohner_innen zusammensetzt. Sie gibt sich scheinbar tolerant und unterstützt die Idee eines Druckraums, aber nicht vor ihrer eigenen Haustür.

In ihrer Argumentation führt die Bürger_innen-Ini an, dass ein Druckraum in der 131 die in ihren Augen „positive Entwicklung des Kiezes“ gefährden bzw. umkehren würde. Diese „positive Entwicklung“ zeigt sich in der Realität als Verdrängung von Geringverdiener_innen und der marktwirtschaftlichen Aufwertung des Kiezes. Betroffene von gesellschaftlich verursachten Problemen wie der Illegalisierung bestimmter Substanzen werden zunehmend an den Rand gedrängt.

Auch wir sind Anwohner_innen des Reichenbergerkiezes und wir sprechen uns für die Einrichtung des Druckraumes aus – auch vor unserer Haustür!
Druckräume können Leben retten!
Gegen Ausgrenzung und Verdrängung – Für eine solidarische Gesellschaft!

Hausprojekt Reiche 63A
Bewohner_innen der Reichenberger 114
Ein paar des Kneipenkollektivs Meuterei – Reichenberger Str. 58
Buchladen Müßiggang Reichenberger 63A